Reisetagebuch #1/2025 Auf dem Weg Richtung Marokko

Wie es zu dieser Idee kam?

Als wir 2016 das erste Mal in Schweden waren, trafen wir eine junge Frau, vielleicht so Mitte 20. Sie erzählte uns, dass sie jedes Jahr den Sommer in Schweden verbringt und im Winter in einem Restaurant in Österreich arbeitet. Sie sagte, dass sie immer für ein paar Monate unterwegs ist…

Für ein paar Monate unterwegs sein? Reisen durch die Länder Europas mit dem Wohnmobil? Der Gedanke gefiel uns sehr gut. Das machen wir auch irgendwann Mal! Da waren wir uns sicher. Deshalb bereiteten wir uns, im Prinzip, die letzten acht Jahre, auf diese Auszeit vor.

Vorbereitungen

Wie bereitet man sich eigentlich auf so eine Reise vor? So richtig klar war uns das auch nicht, also schauten wir einige Youtube Videos und in den sozialen Netzwerken, wie das Andere machen. Nach ausgiebiger Recherche, haben wir für uns, folgende Vorbereitungen getroffen:

Elektrik: Wir haben unsere Wohnraumbatterie durch einen Lithium Eisenphosphat Akku ersetzt. Zusätzlich haben wir eine tragbare Batterie mit einem Solarpanel gekauft. Damit können wir unsere E-Bikes laden und die Laptops betreiben.

Wasser: Da wir uns in Ländern aufhalten, wo es keine gute Trinkwasserversorgung gibt, haben wir uns einen Wasserfilter eingebaut.

Gas: Um Gewicht zu sparen, kauften wir uns eine Alugasflasche. Außerdem haben wir einen Adapter für spanische Gasflaschen besorgt, denn sonst passen die Gasflaschen nicht an die deutschen Systeme. Und zum Befüllen unserer deutschen Gasflasche benötigen wir verschiedene kleine Adapter (je nach Land), die wir uns auch zugelegt haben.

Wohnmobil: Am Auto haben wir die Bremsen erneuert, einen Ölwechsel machen lassen und verschiedene Filter gewechselt sowie auch den Zahnriemen. Und wir haben uns neue Reifen besorgt (mit Schneeflocke). Als Diebstahlschutz haben wir unsere Alarmanlage erweitert und verschiedene andere Sicherheitsmaßnahmen vorgenommen.

Desweiteren haben wir eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, Reisepässe beantragt, Führerscheine erneuert und die Autoversicherung für Marokko erweitert.

Mutmacher am Wegesrand, während einer Wanderung im Thüringer Wald entdeckt
Reisetage 1 – 15 (18.01.25 – 31.01.25)

Jetzt ist irgendwann Mal! Los gehts!

Wir möchten dem kalten Winter in Deutschland entfliehen und somit steht schnell die grobe Richtung unserer Tour fest. Es geht in den Süden. Wir entscheiden uns, die erste Zeit in Spanien, Marokko und vielleicht auch in Portugal zu verbringen. Auf dem Weg nach Spanien legen wir noch einen Zwischenstopp in Stuttgart ein und besuchen die CMT. Auf Reisemessen gehen wir immer wieder gerne und ein bisschen Inspiration kann nicht schaden. Dann verbringen wir noch eine Nacht in Südfrankfreich, bevor es endlich in wärmere Gefilde geht. Ab nach Spanien.

Die Anreise nach Spanien

Nach der langen Fahrt durch Frankreich, was wir übrigens fast mautfrei geschafft haben, kommen wir gut in Spanien an. Unser erster Anlaufpunkt ist ein Gasflaschenhändler. Wir haben von Deuschland nur eine Alugasflasche mitgenommen und vorher schon recheriert, wo wir eine spanische Gasflasche kaufen können. Den passenden Adapter für die Gasflasche haben wir ja bereits. Alles hat super funktioniert. Wir haben wieder Gas und können nun ohne Probleme die leere Gasflasche einfach an verschiedenen Tankstellen tauschen. Weiter geht es nach Girona. Hier wollten wir eigentlich eine Nacht auf einem kostenlosen Gemeindeplatz bleiben, aber wir fühlten uns sehr unsicher. Und da einige in den Bewertungen schrieben, dass nachts bei ihnen versucht wurde ins Wohnmobil einzubrechen, riskieren wir lieber nichts und fahren gleich weiter nach Barcelona.

Unser Besuch in Barcelona

Der Campingplatz „Tres estrella Barcelona“ ist für uns perfekt gelegen für eine Stadtbesichtigung. Wir kommen gegen Abend in Barcelona an und sind erstmal total froh, heile durch Barcelona gefahren zu sein. Der Verkehr war der absolute Wahnsinn! Schlimmer geht es nicht. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir allerdings noch nicht, wie in Marokko Auto gefahren wird… Aber gut. Wir freuen uns auf den nächsten Tag und planen unseren Städtetrip.

Am nächsten Morgen geht es früh los und wir fahren mit dem Bus in die Stadt. Die Verbindung ist super und die Bushaltestelle liegt nur etwa 300 Meter vom Campingplatz entfernt. In Barcelona schlendern wir als erstes durch die wohl berühmteste Straße der Stadt „La Rambla“. Die, mit vielen Läden und Restaurants gefüllte Promenade führt uns direkt zum Hafen. Hier verweilen wir ein bisschen und genießen die heiß ersehnten Sonnenstrahlen. Die knapp 15 Grad Celsius sind genug für uns. Nach dem Sonnenbad besuchen wir zuerst die Basilika „Santa Maria del Mar“, welche Stefan aus einem Roman des Schriftstellers Ildefonso Falcones kannte. Danach besichtigen wir die wohl bekannteste Kathedrale Spaniens: „Sagrada Familia“. Von diesem Bauwerk sind wir total überwältigt. Die Kirche wird seit 1882 gebaut und ist bis heute noch nicht fertig gestellt. Aktuell wird noch fleißig an der Kathedrale gearbeitet. Es ist sehr beeindruckend, zu sehen, was sich der damalige Bauherr Antoni Gaudi bei seiner Arbeit gedacht hat. Wir laufen durch das Bauwerk und wissen gar nicht, was wir zuerst fotografieren sollen. Die einfallenden Sonnenstrahlen lassen, die ohnehin schon prunkvollen bunten Fensterscheiben, in einem zauberhaften Glanz erscheinen. Jedes Glas leuchtet in einer anderen Farbe und strahlt die Säulen und Wände an. Auch die Außenfassade, mit ihren vielen kleinen Türmen und Verzierungen, muss man die ganze Zeit einfach anschauen. Man entdeckt immer wieder etwas Neues. So eine schöne Kathedrale haben wir noch nie gesehen. Nachdem wir die Sagrada Familia ausgiebig besichtigten, spazieren wir noch etwas durch Barcelona und am Hafen entlang.

Fensterscheiben in der Sagrada Familia
Kathedrale Sagrada Familia

Tipp: Wirklich wichtig! Solltet ihr mal in Barcelona sein, erkundigt euch vorher nach öffentlichen Toiletten oder besser: Nehmt eine Campingtoilette oder ähnliches mit… Wir suchten wirklich verzweifelt nach einer öffentlichen Toilette. Es gibt sie nicht!!! Mitten in der Stadt kann man ja auch nicht einfach irgendwo gehen und von Restaurants wurden wir abgewiesen! Ich verrate euch jetzt nicht, welche Lösung Stefan, nach einer Stunde intensiver Suche, gefunden hat…. 🤪

Blick auf den Hafen von Barcelona

Weiterreise nach Mazarron

Wir fahren weiter etwas südlicher und besuchen die Kleinstadt Mazarron. Hier bleiben wir für drei Tage auf dem Stellplatz in einer sehr ruhigen Gegend. Wir unternehmen kleine Wanderungen und fahren mit dem Fahrrad ans Meer. Außerdem besichtigen wir die Sandsteinformationen „Las Gredas de Bolnuevo“. Die Temperaturen betragen zwischen 18 und 23 Grad Celsius und wir genießen ein paar Tage Ruhe.

Mazarron
Las Gredas de Bolnuevo
Strand von Bolnuevo

Auf dem Weg nach Gibraltar

Auf dem Weg nach Gibraltar halten wir in Guadix an und besichtigen die Altstadt und die Höhlenhäuser am Ortsrand. Guadix liegt in der Provinz Granada. Ursprünglich wollten wir hier eine Nacht verbringen, aber es war kalt, es regnete die ganze Zeit und der Ort erschien uns auch irgendwie nicht einladend.

Also fahren wir ein paar Kilometer weiter und landen in Loja. Hier finden wir einen kostenlosen Stellplatz der Gemeinde, welchen wir natürlich gerne nutzen. In der Ferne hören wir laute Musik und denken uns, da müssen wir doch mal schauen, was so los ist. Wir laufen ein paar Meter und kommen am Stadion an. Ahh. Heute ist ein Fußballspiel. Der Eintritt ist kostenlos. Na da sind wir doch selbstverständlich dabei. Es spielen die Mannschaften Loja gegen Cuevas. Was für ein spannendes Spiel! Wir fiebern voll mit und freuen uns, dass Loja 3:2 gegen Cuevas gewinnt. Am nächsten Tag fahren wir nach dem Frühstück gemütlich weiter nach La Linea.

Kurz vor Gibraltar

Eine Anreise in das kleine britische Überseegebiet Gibraltar ist mit dem Wohnmobil sehr schwierig. Die Straßen sind eng, der Verkehr zu wuselig. Wir bleiben deshalb auf spanischer Seite im Nachbarort La Linea. Hier gibt es einen schönen Stellplatz direkt am Hafen und man ist zu Fuß in zehn Minuten in Gibraltar. Abends schlendern wir noch etwas durch die Stadt und am Hafen entlang.

Am nächsten Tag spielt das Wetter so gar nicht mit. Es stürmt und regnet wirklich den ganzen Tag.

Auf ins Naturschutzgebiet Upper Rock

Jetzt sollte es aber soweit sein. Wir kochen uns Kaffee für unterwegs, schmieren ein paar Brote und begeben uns frühzeitig auf den Weg in das Naturschutzgebiet „Upper Rock“.

Wir laufen über den Grenzübergang Spanien/Gibraltar und werden gleich von Einheimischen winkend begrüßt. Sie möchten uns freundlicherweise mit kleinen Bussen in das Naturschutzgebiet und auf den berühmten Affenfelsen bringen, da die Seilbahn, wegen zu starkem Wind, geschlossen hat. Dies lehnen wir dankend ab. Mit der Seilbahn wäre ich (Silvia), wegen Höhenangst sowieso nicht mitgefahren. Wir laufen!

Kurz nach der Grenze überqueren wir zu Fuß die Start- und Landebahn des Flughafens. Allein das, ist schon sehenswert. Der Verkehr wird mit einer Ampel für die Fußgänger geregelt, welche aber scheinbar selten rot ist, da aktuell nur drei Flugzeuge täglich an diesem Flughafen starten und landen.

Nach kurzem Fußmarsch, durch die britisch angehauchte Stadt, geht es über Treppen, schmalen Wegen und kleinen Straßen immer bergauf. Die Aussicht wird immer grandioser und der Wind lässt langsam nach. Die Regenwolken ziehen weiter und wir haben strahlend blauen Himmel und einen fantastischen Blick auf Gibraltar, auf die Straße von Gibraltar, auf das Mittelmeer, auf den Atlantik und auf Afrika.

Wanderwege im Naturschutzgebiet
Blick auf Afrika

Wir besuchen den World War II Tunnel, den Jocks Balcony (mit Aussicht auf den Flughafen) und die Saint Michaels Cave. Außerdem besteigen wir den höchsten Punkt von Upper Rock, wo wir die O´Hara´s Battery, eine Geschützstellung, finden. Und natürlich finden wir auch jede Menge von den beliebten Berberaffen. Die meisten Affen halten sich oben auf dem Berg, an der schmalsten Stelle auf. Hier bringen auch die einheimischen Guides mit ihren Autos die Touristen hoch, was auf der einspurigen, sehr schmalen Einbahnstraße zwischen Affen, Menschen und Autos zu einem kompletten Chaos führt. Die Autos halten an, die Guides locken die Affen mit Nüssen auf den Schultern der Touristen, alle machen ein Foto und weiter geht die Fahrt. Und immer das gleiche Spiel. Ca. 20 Autos mit Touristen stehen für ein Foto mit einem Berberaffe an. Für uns ist das nix und wir sind froh, dass wir nach oben gelaufen sind. Da wir keine Nüsse dabei haben und das Füttern sowieso eigentlich verboten ist, wollen die kleinen Äffchen auch nicht so richtig in unsere Nähe. Aber der ein oder andere traut sich trotzdem zu uns und ein paar schöne Fotos bekommen wir auch ohne Lockmittel hin.

Berberaffen

Das war ein ereignisreicher Tag und eine wunderschöne Wanderung. Insgesamt sind wir 28 Kilometer gelaufen. Es war wirklich super. Gibraltar ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Warten auf die Fähre nach Afrika

Die nächsten Tage verbringen wir in Algeciras auf einem kostenlosen Parkplatz und planen unsere Marokko-Tour. Hier kaufen wir auch unsere Fährtickets für Afrika und geben unsere geliebte Drohne in die Hände des Ticketsverkäufers. Wir entscheiden uns für „offene Tickets“ und sind somit an keine Zeit für das Übersetzen mit der Fähre gebunden, was vor allem für unsere Rückreise nach Europa wichtig ist.

Wir freuen uns schon sehr auf Marokko und wie es dort weitergeht, erfahrt ihr in unserem nächsten Bericht!

Herzliche Grüße senden Stefan & Silvia

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